Schnelle Rettung für Hörbehinderte Menschen

Es kommt als Nikolausgeschenk verpackt – ist aber schon lange überfällig: Notrufe können ab sofort von allen hörgeschädigten Menschen bundesweit und kostenlos über die Tess Relay-Dienste telefonisch abgesetzt werden. Die Vermittlung erfolgt über Gebärdensprachdolmetscher oder Schriftdolmetscher direkt zu der zuständigen Notrufleitstelle.

Vorbei sind die Zeiten, in denen hörgeschädigte Menschen auf fremde Hilfe warten mussten, um einen telefonischen Notruf zur 110 oder 112 zu tätigen. Ab sofort kann jeder selbst die Feuerwehr oder die Polizei anrufen, und das mit Smartphone, Tablet-PC, SIP-Telefon oder PC mit Internetverbindung, heißt es in einer Presseinformation von Tess Relay-Dienste. "Jeder hörgeschädigte Mensch in Deutschland kann unser Notrufangebot kostenlos nutzen", erklärte Sabine Broweleit, Geschäftsführerin der Tess Relay-Dienste GmbH. Alles was nötig ist, ist eine Registrierung als "Notrufkunde" und die passende Software. "Die Registrierung ist notwendig, damit wir anhand der hinterlegten Adressdaten die zuständige Notrufleitstelle ermitteln können und um eventuelle Rückrufe zu ermöglichen", erläuterte Sabine Broweleit.

Für einen Notruf über die Relay-Dienste ruft der gehörlose Anrufer über eine Videoverbindung einen Gebärdensprachdolmetscher an. Dieser verbindet mit der zuständigen Notrufleitstelle und übersetzt das Telefonat simultan für den gehörlosen Anrufer und den hörenden Teilnehmer der Notrufleitstelle. Für alle hörgeschädigten Menschen, die nicht gebärden, übersetzt ein Schriftdolmetschdienst, in einer Chatanwendung. Hier können hörgeschädigte Anrufer auch selbst sprechen und nur die Antworten ablesen.

"Wir haben die technische Möglichkeit, den Notruf eines hörgeschädigte Menschen in Gebärdensprache oder Schriftsprache anzunehmen und zu vermitteln – also tun wir es", erläuterte Sabine Broweleit die Beweggründe für die freiwillige Leistung der Relay-Dienste. "Damit können wir endlich eine weitere Barriere für gehörlose und hörgeschädigte Menschen abbauen, wenn auch nur in unseren Öffnungszeiten montags bis sonntags von 08.00 bis 23.00 Uhr."

"Wir sind sehr froh darüber, dass die Bundesnetzagentur, in deren Auftrag wir die Telefonvermittlungsdienste zur Verfügung stellen, unserem Angebot eines Notrufs für alle hörgeschädigte Menschen in Deutschland zugestimmt hat", erklärte Sabine Broweleit. Im Rahmen dieser Beauftragung sind die Öffnungszeiten für die Jahre 2013 und 2014 festgelegt. "Vielleicht ändern sich die Angebotszeiten in der nächsten Auftragsperiode. Dann wäre vielleicht ein Notruf rund um die Uhr möglich. Wir wären bereit."

Ausführliche Informationen zur Nutzung des "Tess-Notrufs" finden Sie auf der Tess-Homepage.

Quelle: kobinet Nachrichten